Auto Abwrackprämie

Der VCD hatte 2020 ein „Startgeld grüne Mobilität“ vorgeschlagen – also eine staatliche Prämie für alle, die „für sämtliche Formen nachhaltiger Mobilität verwendet werden kann“. Dies könne der Kauf einer BahnCard oder einer Jahreskarte für den Verkehrsverbund sein, alternativ auch der Kauf eines Fahrrads mit oder ohne E-Antrieb oder eines Lastenrads, der Bezug von Car- und Bike-Sharing-Leistungen oder auch ein Zuschuss zur Anschaffung eines E-Autos.

Doch leider ist das passiert: um etwa 500.000 Pkw erhöhte sich während der Coronakrise im vergangenen Jahr der Bestand in Deutschland. Überall in der Republik mehr Autos? Nein, nicht in Denzlingen bei Freiburg, da läuft es anders als im Rest der Republik. Bis 2035 will die 13.600-Einwohner-Gemeinde klimaneutral sein, so hat es der Gemeinderat im April beschlossen. Während schon auffällig viele Solaranlagen auf den Dächern installiert sind, bereitet der Verkehr die meisten Sorgen – wie fast überall in Deutschland. Der Ort streckt sich entlang der Hauptstraße, viele Alltagswege erledigen die Einwohner mit dem Auto.

Markus Hollemann ist Baden-Württembergs einziger Bürgermeister mit ÖDP-Parteibuch. Foto: privat

Statt aber über Verbote und Verteuerungen zu streiten, probiert Bürgermeister Markus Hollemann das Gegenteil, um die Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen zu reduzieren. Wer seinen Verbrenner abmeldet und sich verpflichtet, sich die nächsten drei Jahre keinen neuen zuzulegen, bekommt einmalig 500 Euro – als Zuschuss für eine Jahreskarte für den Nahverkehr, die 630 Euro kostet, oder für den Kauf eines E-Bikes.

Um Missbrauch zu verhindern, müssen die Bürger eine Selbstverpflichtung unterschrei­ben, dass „im Antragsteller-Haushalt kein neues, weiteres oder dasselbe Verbrennerfahrzeug innerhalb der nächsten 36 Monate zugelassen oder geleast“ wird. Der Gemeinderat nahm das Klimaschutzprogramm mit 14 gegen 6 Stimmen an.

Notwendige Transformationsprozesse für die Verkehrswende (Quelle vianova.coop)

Städte wieder lebenswert zu machen

»Um die Klimaziele zu erreichen und Städte wieder lebenswert zu machen, müssen wir den Kfz-Bestand deutlich reduzieren und innerhalb von zehn Jahren halbieren«, sagt Kerstin Stark von Changing Cities. Dabei gehe es auch um ein Signal vor der Bundestagswahl. »Die Debatte gerade im Wahlkampf, etwa über die Benzinpreise, verhärtet unnötig die Fronten.«

Mehr statt weniger Autos – das bringt das Verkehrssystem vor allem in Städten dem Kollaps näher. Die wichtigste Ressource in den Metropolen wird noch knapper: der öffentliche Raum. Von einer wirksamen »Parkraumbewirtschaftung«, wie Experten die Bepreisung von (Park-)Flächen nennen, sind die meisten Kommunen weit entfernt. Anwohnerparkausweise kosten im Jahr mitunter weniger als ein Gemüsestand auf dem Wochenmarkt pro Tag.

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