Video: Unsere Welt neu denken

Maja Göpel formuliert was viele Menschen spüren, wir müssen „unsere Welt neu denken“. In vielen Beiträgen erreicht Maja Göpel ein immer größeres Publikum. Eine Welt und eine Wirtschaft ohne Wachstum – wie soll das gehen? Ein Gespräch über Tabus, die Revolution im Denken und die Idee einer Gesellschaft, in der der Mensch mit seinen Bedürfnissen – und nicht der Markt – an erster Stelle steht. Hier im bei der ARD in ttt:

Auch eine spannende Diskussion: Özden Terli, Maja Göpel, Stefan Rahmstorf und Volker Quaschning sprechen Klartext zur Klimakrise. Themen diesmal u.a.: Lehren aus der Coronakrise für die Klimakrise. Sollen wir Automobilkonzerne wirklich mit Steuergeldern retten? Die Bedeutung der Wissenschaft für Krisenprävention.

e-Carsharing in Gemeinschaften wird nach der Corona Krise sicher eine stärkere gesellschaftliche Bedeutung bekommen. Ein Anzeichen dieser sich abzeichnenden Entwicklung und wie sich Initiativen neu aufstellen, ist die Kooperation des Bildungs- und Kooperationsnetzwerkes für gemeinschaftsbasierte Gründungen MYZELIUM und den Planern einer Dachgenossenschaft, die bisher unter e-Carsharing in Bürgerhand firmiert.
(Bericht über Myzelium in FUTURZWEI)

Dazu passt diese Buchempfehlung von Clemens Ronnefeldt:

Maja Göpel: „Unsere Welt neu denken“

Wie können die Menschen auf der voller gewordenen Erde gut leben, ohne ihre Lebensgrundlage zu verzehren? Die Polit-Ökonomin Maja Göpel stellt unser auf ewiges Wachstum ausgerichtetes Wirtschaftssystem in Frage und sucht nach einem zukunftsfähigen Entwicklungsmodell. (…)

Maja Göpel: „Dass die Leute eigentlich mit dem, was sie schon haben, relativ gut klar kommen, das kommt in der Denke nicht vor. Und das ist ja das Wichtige, dass wir sagen: Welche Art, auf die Welt zu schauen, welche Art, auf die Menschen zu schauen, hilft uns denn dabei, diese neue Realität erfolgreich zu navigieren? Was ist denn das gute Leben?

Wie können wir unsere ökonomischen Systeme umstellen, damit die Versorgung der Menschen in Einklang mit den natürlichen Lebensgrundlagen und ihrer Regeneration funktionieren kann, anstatt dass wir irgendwann sehr schockartig dann sowieso weniger haben werden?“

In ihrem Buch plädiert Maja Göpel für mehr Verteilungsgerechtigkeit und für eine Rückkehr zum menschlichen Maß. Das Narrativ vom ewigen Wachstum, von dem letztlich alle profitieren sollten, sei nicht aufgegangen, weder ökologisch noch sozial. Wirklich profitiert, im wahrsten Sinne des Wortes, haben nur wenige. (…)

Man könne die ökologische Frage nicht lösen, wenn man sie nicht auch als soziale Frage verstehe, schreibt Maja Göpel. Um der Mehrheit eine nachhaltigere Lebensweise zu ermöglichen, müssten hohe Einkommen massiver besteuert werden. Ebenso Unternehmen, die Infrastruktur und Ressourcen der Allgemeinheit nutzen, Gewinne privatisieren und die Umwelt belasten. Ja, es geht auch um Umverteilung, darum, dass sich die Menschheit wieder als solidarische Gemeinschaft versteht. (…)

Ihr Befund ist präzise, ihr Buch kommt zur richtigen Zeit – einerZeit, in der die Folgen des Klimawandels ebenso unübersehbar sind wiedie Halbherzigkeiten der Politik. Es ist ein eindringlichvorgetragenes Plädoyer für ein zukunftsorientiertes Denken, „eineEinladung“, von der man sich wünscht, dass sie von vielen angenommenwird.

Siehe auch Buchbesprechung
deutschlandfunk.de/maja-goepel-unsere-welt-neu-denken
Maja Göpel: „Unsere Welt neu denken. Eine Einladung“,
Ullstein Verlag, 208 Seiten, 17,99 Euro.

Ein sehenswertes Interview mit Maja Göpel:

Schaut auch gerne bei Tranzparenz TV rein. Klasse Interviews!


Eine zweite Empfehlung – hier anhand der Buchbesprechung von Werner Raetz:
https://www.werner-raetz.de/fileadmin/user_upload/Autor/besprechungen/kessler.pdf
Wolfgang Kessler Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern. 

Eine Streitschrift, Publik-Forum Edition, Oberursel 2019
128 Seiten, 15,00 Euro 
(eBook 12,99) ISBN 9783880953307 (eBook 9783880953314)

(…) „Wer den Kapitalismus verändern will, operiert am offenen Herzeneines Systems, in das Millionen, ja sogar Milliarden Menschen als Unternehmer, Beschäftigte, Sparer, Eigentümer, Mieter, Erwerbslose oder Verbraucher eingebunden sind.“ (S. 11) Und weiter: „Wer – mit guten Gründen – allzu radikal in dieses Geflecht von Produktion und Konsum eingreift, schwächt möglicherweise die Volkswirtschaft, bevor sie neue Stärken entwickeln kann. Wer – aus ökologischen Gründen berechtigt – den Ausstieg aus der Autogesellschaft forciert, trägt dievolle Last des Klumpenrisikos. 
Denn in einer Wirtschaftskrise werden Millionen verunsicherte Beschäftigte oder gar Erwerbslose kaum zur Vorhut einerantikapitalistischen Revolution, sondern eher zur Reservearmee für rechte Rattenfänger…

Notwendig ist eine Politik, der langsamen, aber konsequenten Übergänge, um Krisen und Brüche zu vermeiden… DiesePolitik der Übergänge wird nur dann akzeptiert, wenn sie die individuelle Wahlfreiheit der Menschen respektiert und ein möglichst dichtes soziales Netz knüpft, das niemanden durchfallen lässt und allen die Chance eröffnet, das eigene Leben neu zu gestalten.“ (S. 65)(…)
Ihm geht es darum, die große Zahl Menschen bei den notwendigen radikalen Veränderungen mitzunehmen. Das wird nicht gehen, ohne dass man „zunächst kritische Fragen an sich selbst zulässt: Brauche ich alles, was ich kaufe? Müssen wir unser Leben am reinen Materialismusausrichten? Wann wird Selbstverwirklichung zu Egoismus?“ (S. 110) 
Auch dies ist wieder kein Versuch, die Verantwortung an Einzelneabzuschieben. Kessler weiß, dass es Ziele gibt, „die die vielen Einzelnen nicht beeinflussen können – wie eine gerechte Verteilung des Volkseinkommens, ein faires Rentensystem oder etwa eine Reform des Finanzsystems. Dafür braucht es eine andere Politik.“ (S. 112)

 
Seine Schlussfolgerung deckt sich mit dem, was wir auch in der Attac-AG „genug für alle“ im Zusammenhang eines bedingungslosen Grundeinkommens immer wieder betonen, dass ohne eine demokratische Debatte um die Ziele des Wirtschaftens keine Zukunft denkbar ist: „Deshalb braucht der Übergang, die Transformation hin zu einer humanen und ökologischen Wirtschaftsweise eine breite und offene Diskussionüber die Werte, auf denen das Zusammenleben in Zukunft beruhen soll.“(S. 122) (…)

Titelfoto: imago stock&people /Ullstein Verlag

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