Autobesitzer unterschätzen Kosten massiv

Studie in „Nature“: Autobesitzer unterschätzen Gesamtkosten des eigenen Autos massiv

Gemeinsame Pressemitteilung von RWI und Stiftung Mercator
23.04.2020

Autobesitzer in Deutschland unterschätzen die Gesamtkosten ihres eigenen Pkw systematisch um bis zu 50 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie von Wissenschaftlern des RWI, der Universität Mannheim und der Yale University. Die von der Stiftung Mercator geförderte Forschung erscheint heute im renommierten Fachjournal „Nature“. Neben dem Wertverlust werden vor allem Fixkosten wie Steuern und Versicherungen sowie Reparaturkosten unterbewertet. Mehr Transparenz zu diesen Kosten könnte die Nachfrage nach E-Autos und öffentlichem Nahverkehr sowie die Anreize zum Radfahren steigern. Dies würde eine nachhaltige Verkehrswende beschleunigen.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Deutsche Autobesitzerinnen und -besitzer unterschätzen die Gesamtkosten ihres privaten Pkw systematisch um bis zu 50 Prozent. Dies führt dazu, dass alternative Angebote wie der öffentliche Personennahverkehr und nicht-fossil betriebene Fahrzeuge weniger attraktiv erscheinen.
  • Befragte bewerten die Gesamtkosten des Autobesitzes um durchschnittlich 221 Euro pro Monat zu niedrig, das sind 52 Prozent der eigentlichen Kosten. Diejenigen, die sämtliche Kostenfaktoren berücksichtigten, schätzen diese immer noch um durchschnittlich 161 Euro bzw. 35 Prozent zu niedrig ein.
  • Unterschätzt werden vor allem der Wertverlust des Automobils, aber auch Fixkosten wie Steuern und Versicherungen sowie Reparaturkosten. Einzig die Kosten von Diesel oder Benzin werden von den Verbrauchern im Durchschnitt weitgehend korrekt bewertet.
  • Eine Hochrechnung der Forscher basierend auf vorhandenen Daten aus der Literatur ergibt, dass eine höhere Transparenz über die wahren Kosten des Autobesitzes  im Optimalfall den Pkw-Besitz in Deutschland um bis zu 37 Prozent senken könnte. Auf diese Weise würden 17,6 Millionen Autos von den Straßenverschwinden. CO2-Emissionen von 37 Millionen Tonnen pro Jahr könnten auf diesem Wege eingespart werden – das entspräche 4,3 Prozent der deutschen Gesamtemissionen bzw. 23 Prozent der Emissionen aus dem Transportsektor.
  • Gleichzeitig könnte die Nachfrage nach E-Autos um bis zu 73 Prozent steigen. Die Nachfrage nach Bus- und Bahnverkehr könnte sich gleichzeitig um 8 bzw. 12 Prozent erhöhen.
  • Die Hochrechnungen basieren auf verschiedenen Annahme-Szenarien, unter anderem zur Auswirkung von Veränderungen der Gesamtkosten des Autofahrens auf den Autobesitz. Für diese liegen bisher sehr wenige empirische Studien vor. Die Autoren können zeigen, dass auch konservativere Annahmen zu einer substanziellen Reduktion an Autos führen würden.
  • Es handelt sich hierbei um erste Ergebnisse zu diesem Themenkomplex. Die Studienautoren sehen großen Forschungsbedarf und beschreiben viele Ansatzpunkte zur weiteren Forschung.

„Viele Verbraucher würden eher auf E-Autos oder ÖPNV setzen, wenn sie die wahren Kosten eines konventionellen Pkw stärker berücksichtigen würden“, sagt Mark A. Andor, RWI-Umweltökonom und Studienautor. „Verbraucherschutz-Organisationen könnten gemeinsam mit staatlichen Institutionen dabei helfen, die Autobesitzer besser zu informieren. Damit ließe sich auch ohne große zusätzliche Kosten für den Staat oder die Bürger ein signifikanter Schritt in Richtung einer nachhaltigen Verkehrswende machen.“

„Wir müssen das Verkehrssystem konsequenter als bisher an Klimaschutz und Luftreinhaltung ausrichten“, so Dr. Lars Grotewold, Bereichsleiter Klimawandel der Stiftung Mercator. „Welche Faktoren beeinflussen Mobilitätsentscheidungen und welche Anreize bewirken einen Umstieg auf klimafreundliche Verkehrsmittel? Darauf müssen wir Antworten finden, damit die Verkehrswende gelingt. Die in der Studie gewonnen Daten haben hierzu einen wichtigen Beitrag geleistet.“

Die Untersuchung ist in Zusammenarbeit mit dem Umfrageinstitut forsa entstanden. Genutzt wurde deren repräsentatives Panel deutscher Haushalte. Knapp 5500 Autobesitzer gaben Schätzungen zu ihren monatlichen Kosten der Pkw-Nutzung an. Die Befragungen wurden vom 23. April bis zum 12. Juni 2018 durchgeführt. Die Daten zu Autopreisen und Betriebskosten stammen unter anderem vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC).  Gefördert wurde die Studie von der Stiftung Mercator.

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Ihre Ansprechpartner/in dazu:

Dr. Mark Andor, E-Mail
Sabine Weiler (Kommunikation), Tel.: (0201) 81 49-213

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Dieser Pressemitteilung liegt der Beitrag „Running a car costs much more than people think — stalling the uptake of green travel“ aus der Ausgabe der Zeitschrift „Nature“ vom 23. April zugrunde. Er ist hier online verfügbar.

Quelle Titelbild: https://firmenwagen.co.at/a/kraftstoffe-haben-geringen-anteil-an-autokosten

Kommentar

  1. Ich finde es interessant, dass hier mal konkrete Zahlen genannt werden. Diese kann ich für mich gut nachvollziehen – mein Bauchgefühl entspricht den Zahlen, die da genannt werden und ich „weiß“ auch, dass mich ein privater PKW gut 400 Euro im Monat kostet – wenn ich was sparsame wähle. Den Dienstwagen rechnet die Firma mit Gesamtkosten von 700 Euro/Monat!
    ÖPNV und Fahrrad sind gute Alternativen, die Kosten deutlich zu senken. Ob e-Autos die monatlichen Kosten wirklich so stark senken glaube ich nicht – es sei denn, man teilt sich die Kosten im e-Carsharing!

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