Keine 100 € im Monat

Die Allgemeine Zeitung Mainz berichtet am 4. April 2020 wie die Verkehrsdezernentin der Stadt, Katrin Eder, ihr Mobilitätsverhalten verändert hat:

Eigenes Auto verkauft, kein privates Auto mehr im Besitz:

  • keine Parkplatzsuche
  • keine Steuer
  • keine Wartung
  • keine Parkplatzkosten
  • kein Reifenwechsel
  • kein Wertverlust des Privat-Pkw.

Dagegen stehen Kosten für:

  • Carsharing Anbieter
  • ÖPNV Jobticket, Monatsfahrkarte Bus und Straßenbahn
  • Gelegentliche Bahntickets

Macht unterer dem Strich keine 100 Euro monatliche Fahrtkosten, so Eder gegenüber der AZ, in der es weiter heißt:

„Für Leute wie mich, die selten das Auto brauchen, ist Carsharing ein Gewinn“, findet Eder. „Aber man muss Stationen in der Nähe haben.“ Und genau das strebt die Stadt an. 150 Fahrzeuge mit Carsharing-Stellplatz der Anbieter Book-n-Drive und UrStrom Mobil gibt es in Mainz, 52 weitere sollen nach dem Willen der Stadtspitze hinzukommen. Der Stadtrat hat das Thema allerdings vertagt, es besteht noch Beratungsbedarf. Bis zu 20 Privat-Pkw würde, so hätten Untersuchungen gezeigt, ein Carsharing-Fahrzeug ersetzen. Knapp 0,8 Teil-Autos gibt es in Mainz momentan pro 1000 Einwohner, in Karlsruhe sind es 3,2 – das Vierfache. Für Eder hängt die Messlatte genau dort. „Wir wollen in den sehr hohen Bereich. Denn ich glaube, dass das den privaten Pkw-Besitz stark reduziert.“ Von 2016 bis 2019 habe sich die Zahl der Nutzer in Mainz bereits verdreifacht, während die Zahl der Leih-Fahrzeuge stagnierte. Mit mehr Angebot soll nun mehr Dynamik in die Entwicklung gebracht werden. Dem Unterfangen der Stadt kommt ein Landesgesetz zugute, dass – so lautete zumindest der Zeitplan vor der Corona-Krise – bald Gültigkeit erlangen soll. „Wir werden endlich in die Lage versetzt, Carsharing-Flächen auch im öffentlichen Raum anzubieten“, sagt Eder. Bislang ging das nur auf Privat-Grundstücken, und dazu zählen auch die stadteigene Fläche auf der Zitadelle, die PGM-Parkhäuser sowie die Areale der Wohnbau. Nun kommt theoretisch der komplette öffentliche Raum in Betracht. Das gibt Spielraum bei der Umsetzung des „Green City“-Masterplans, wo von 350 neuen Fahrzeugen die Rede ist. Gut sichtbare Plätze an Ortsdurchfahrten, Landes- und Kreisstraßen sind angedacht, außerdem eine räumliche Vernetzung mit dem ÖPNV. Die 52 neuen Autos samt fester Parkplätze an 26 Standorten, immer zwei nebeneinander, die nun bündelweise ausgeschrieben werden, sollen nach dem Vorschlag der Verwaltung nur ein erster Schritt sein. Carsharing in jedem Stadtteil, theoretisch für mehr oder minder alle Mainzer wohnortnah ist das Ziel, und eine Vielfalt an Anbietern, wobei Eder auch ehrenamtlich getragene Bürgergesellschaften ermutigt, sich einzubringen. „In der Altstadt und Neustadt, wo es keine Parkplätze für private Pkw gibt, funktioniert es am besten“, sagt Eder. Deshalb liege dort auch zunächst der Schwerpunkt. „Unsere Vision ist, das Angebot so gut über das Stadtgebiet verteilt zu haben, dass möglichst viele Leute ihr Auto abschaffen.“ Die Anbieter für die 38 innerstädtischen und 14 weiteren, geplanten Stellplätze müssen 50 Prozent ihrer Flächen auf Privatgelände schaffen. Anbieter mit hohem Anteil an E-Autos sollen im Vergabeverfahren bevorzugt werden, und Elektro-Stellplätze kosten weniger Gebühr. Die Stadt rechnet mit 7800 Euro Kosten für Beschilderung und geringfügigen Einnahmeverlusten bei Parktickets.

Allgemeine Zeitung Mainz, 4.4.2020

Titelfoto: Laura Schröder, Einweihung UrStrom-Mobil, Mainz Paulusgemeinde, 29.2.2020

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